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2021

Warum gibt es so viele unterschiedliche Zinsen?



Inhalt:
Zinsen von der Bank: der Sparzins
Zinsen an die Bank: der Kreditzins
Risikolose Zinsen als Vorsorge für den Notfall
Im Notfall: Überziehungszinsen
Real oder nominal: Was beachten?
Die Steuerung durch die Zentralbank
Fest oder variabel? Welche Laufzeit ist besser?
Der Referenzzinssatz im Gesetz
Schnell zahlen und Skonto behalten
Besonderheiten des Bauzinses
Der Mietzins als Ertragsquelle?
Hilfe Wucherzinsen!
Zinsen in der Geschichte
Zinsen und Religionen: Kompatibel?



Zinsen von der Bank: der Sparzins

Tagesgeld, Sparbuch oder Festgeld: Vor der Finanzkrise gab es noch Zinsen von der Bank aufs Ersparnis. Es ist auch nicht auszuschließen, dass es irgendwann wieder dazu kommt: Wenn sich mehr Kreditnehmer zutrauen und finanzieren auf Pump, dann wird es auch für Sparer mehr Zinsen geben. Dieses Szenario ist allerdings etwas wenig wahrscheinlich, weil es die Stabilität einiger Euro-Länder schwächen würde.

In einem Geldsystem, das überwiegend aus Schulden basiert, stellt Geld die Verbindlichkeit eines solventen Schuldners dar. Wenn nicht genug Schuldner da sind, um viel Geld von den Sparern abzunehmen, dann sinkt der Sparzins. Eine Erhöhung des Sparzinses kann erst als Bremse gegen eine Inflation kommen.


Zinsen an die Bank: der Kreditzins

Das Pendant des Sparzinses ist der Kreditzins. Wenn du dich verschuldest, dann musst du den Kredit samt Zinsen zurückzahlen. Der Zins ist der Preis des Geldes und entspricht die Belohnung der Sparer und der Bank, die dir das Geld zur Verfügung stellen. Bei einer Bank sind die Kreditzinsen stets höher als die Sparzinsen, weil dieser Unterschied das Zinsgeschäft der Bank ist.


Risikolose Zinsen als Vorsorge für den Notfall

Ein Notgroschen zur Verfügung zu haben, bringt nicht nur Sicherheit, sondern auch ein Sicherheitsgefühl. Dabei ist die Höhe des Zinssatzes nicht besonders relevant. Viel wichtiger ist, dass der Betrag für einen Notfall ausreicht. Das Geld muss dabei schnell verfügbar sein, auch wenn der Zins dafür keine Liquiditätsprämie enthält.


Im Notfall: Überziehungszinsen

Ein Überziehungskredit ist ein Kredit, der deine Bank nur duldet und nicht genehmigt hat. Das passiert, wenn du mehr Geld ausgibst, als du auf deinem Konto hast. Generell lässt die Bank sowas zu, aber sie verlangt dafür sehr hohe Zinsen.


Real oder nominal: Was beachten?

Der Unterschied zwischen Nominalzins und Realzins ist die Inflation. Wenn du deine Kaufkraft steigern willst, solltest du dich u den Realzins kümmern. Dieser wird jedoch nicht bei einem Sparbuch oder einem Bausparvertrag angegeben und kann nur im Nachhinein gerechnet werden. Er ist oft wegen der Inflation negativ. Wenn dir der Geldbetrag wichtig ist, dann interessierst du dich für den Nominalzins.


Die Steuerung durch die Zentralbank

Zinssätze werden durch die
Zentralbank gesteuert, um die Preisstabilität zu gewährleisten. Die EZB steuert nur indirekt die Zinsen auf Sparanlagen und Kredite. Sie entscheidet ungefähr einmal pro Monat, wie hoch die Zinsen sind, die Geschäftsbanken mit der Zentralbank arbeiten können. Das sind 3 verschiedene Zinssätze:
- Der Leitzins (oder Hauptrefinanzierungszinssatz) ist der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld für eine Woche leihen können. Dieser Zins spielt eine wesentliche Rolle für die Wirtschaft: Um an Kapital kommen zu können, muss jedes Privatunternehmen langfristig mindestens so viel wirtschaften können wie der Leitzins (Nichtbanken sogar mehr). Banken haben einmal pro Woche Zugang zum Hauptrefinanzierungsgeschäft der EZB.
- Der Anlagezins ist der Zins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der EZB anlegen. Man spricht ja von einer Anlage, denn Banken sparen kein Geld.
- Der Spitzenrefinanzierungszins ist der Zinssatz, den Banken bei der EZB zahlen müssen, wenn sie über Nacht Geld von der EZB leihen. So ist diese Art von Finanzierung flexibler als das Hauptrefinanzierungsgeschäft. Dafür ist der Spitzenrefinanzierungszins etwas höher.

Fest oder variabel? Welche Laufzeit ist besser?

Der Zinssatz kann fest oder variabel gewählt werden. Bei einigen Kreditarten (wie z.B. bei Dispokrediten) werden nur variable Zinsen angeboten. Ein fester Zinssatz hat den Vorteil, dass du besser planen kannst. Meistens liegt dafür der Zinssatz höher als bei der Variante mit variablen Zinsen. Bei Immobiliendarlehen hast du auch die Möglichkeit, den Zins nur für eine bestimmte Zeit festzuschreiben. Übliche Varianten sind 5, 10, 15, 20, 25 oder sogar 30 Jahre Zinsfestschreibung.

Ein fester Zinssatz hat jedoch den Nachteil, dass du nur gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung den Kredit schneller tilgen darfst. Es gibt jedoch bei Immobilienfinanzierungen gesetzliche Vorgaben, die erklären, in welchen Fällen diese begrenzt sind und wie der Höchstbetrag berechnet wird.

Als Verbraucher hast du auch das Recht, nach 10 Jahren einen bestehenden Kreditvertrag zu kündigen. Dafür musst du dich an den gesetzlichen Rahmen halte. Diese sehen insbesondere eine Vorankündigungszeit von 6 Monaten vor.


Der Referenzzinssatz im Gesetz

Manchmal brauchen Vertragspartner einen Zinssatz, der von einer neutralen Quelle kommt. Das ist zum Beispiel der Fall, um die Höhe eines variablen Zinssatzes zu ermitteln. Zum Beispiel dient der EURIBOR als Referenz in vielen Verträgen.

Aber was ist, wenn ein Zinssatz im Nachhinein benötigt wird? Etwas, weil man streitet und sich an eine gesetzliche Vorgabe orientieren muss? Dann existiert dafür ein Basiszinssatz. Er wird zum Beispiel für die Berechnung von Verzugszinsen benutzt.

Diese Referenzen sind oft nur eine Orientierung, oder ein Bestandteil einer Berechnung. So ist es üblich, dass der anwendbare Zinssatz von der Referenz abweicht, jedoch mit einer vordefinierten Regel. So kann ein Verzugszins zum Beispiel als 1 Prozentpunkt über der gesetzliche Basiszinssatz definiert werden.


Schnell zahlen und Skonto behalten

Auch ohne Kredit können Zinsen anfallen. Das ist der Fall, wenn Firmen Rechnungen mit einem Abzug bezahlen, wenn der Lieferant diese Möglichkeit anbietet. Dieser Abzug wird Skonto genannt. Im B2B-Bereich können Rechnungen mit langem Zahlungsziel vereinbart werden. Wenn der Lieferant aber die gelieferte Ware oder Dienstleistung finanziert, zahlt er wahrscheinlich hohe Zinsen dafür und er möchte schnell die Rechnung beglichen bekommen. Um seinen Kunden dazu zu bewegen, die Rechnung zügig zu zahlen, bietet er einen Rabatt, wenn der Betrag schnell bezahlt ist. Dieser Rabatt ist das Skonto.


Besonderheiten des Bauzinses

Wer ein Haus baut, braucht meistens einen Kredit mit einer hohen Summe. Dadurch sind die Festkosten der Bank im Vergleich zur Kreditsumme niedriger als bei den meisten Privatkrediten. Dadurch ist der Zinssatz attraktiver. Der Bauherr kann diesen Kredit nur langsam zurückzahlen. Es geht hier also im Gegensatz zu Tagesgeld-Zinsen um langfristige Zinsen.

Da die Immobilie und das Grundstück als Sicherheit für die Rückzahlung der Verbindlichkeit stehen, gehen die Geldgeber ein überschaubares Risiko ein. Diese Sicherheit druckt den Risikoaufschlag beim Kreditzins.


Der Mietzins als Ertragsquelle?

Anders als bei einem Kredit ist hier nicht der Ertrag aus der Geldleihe gemeint, sondern aus einer Sachleihe. Die vermietete Sache ist ein Teil eines Gebäudes (samt Grundstück).


Hilfe Wucherzinsen!

Ein zu hoher Zins ist rechtswidrig und wird Wucher genannt. Dieser ergibt sich aus einer Situation, wo der Kreditnehmer verpflichtet ist, schnell einen Kredit zu finden und der Kreditgeber nutzt diese Situation aus, um zu viel zu verlangen. Auch unterhalb der Wuchergrenze kann ein Zinssatz unangemessen sein. Solche schlechten Konditionen sollten rasch getilgt oder umgeschuldet werden.


Zinsen in der Geschichte

In den letzten Jahrtausenden zeigt die Zinsentwicklung einen Trend nach unten. Vor 2000 Jahren waren Realzinsen oberhalb von 20% keine Seltenheit. Heutzutage sind manche Nominalzinsen im negativen Bereich. Jedoch gibt es auch große Schwankungen: Nur im 20. Jahrhundert sind die Zinsen für solvente Staatsanleihen bei 1% wie auch bei 15% gelegen. So große Schwankungen innerhalb eines Jahrhunderts sind jedoch nur selten vorgekommen.

Die Entwicklung zu niedrigeren Zinsen lässt sich aus mehreren Gründen erklären.

Das Kreditausfallrisiko ist mit wachsender politischer Sicherheit und Einführung von Stabilitätsmechanismen gesunken. Da dieses Risiko durch höhere Zinsen kompensiert wird, ist das Zinsniveau entsprechend gesunken.

Der Bedarf an lebensnotwendige Infrastruktur wurde mit der Zeit besser gedeckt. Die Agrarproduktion und die Lagerung von Lebensmitteln ermöglichen heutzutage, dass ein wachsender Teil der Erdbevölkerung sich ausreichend ernähren kann. Der Immobilienbestand ist auch stark gewachsen, was den Bedarf an Baumaßnahmen in vielen ländlichen Regionen abgenommen hat. Wenn die Investitionen sinken, dann werden Kredite weniger nachgefragt, was den Zins nach unten druckt.


Zinsen und Religionen: Kompatibel?

Manche Religionen verbieten den Zins. Er wird als unmoralisch gesehen. Tatsächlich ist die Bezahlung eines festen Zinses eine Verbindlichkeit, die den englischen Spruch "The borrower is slave to the lender." bestätigt. Versucht wird, diese Abhängigkeit zu verhindern. Um Investitionen trotzdem zu ermöglichen wurden Alternativen gesucht:

1) Die Beteiligung in Form von Eigenkapital ist ein Beispiel, wie man sich von dieser Verpflichtung befreien kann. Diese entspricht auch der Weisheit, dass man Geld weder schulden noch verleihen sollte. Der Ursprung dieser Weisheit ist, dass es nur Ärger zwischen Schuldner und Verleiher bringen kann, falls der Kreditnehmer in Schwierigkeiten fällt.

2) Ein regelmäßiger Schuldenerlass ist eine andere Möglichkeit. Jedoch ist diese weniger leicht umzusetzen, weil dieser Erlass dann auch vom Geldgeber erwartet wird und er wird Umwege suchen, um diesen zu kompensieren.

3) Ein anderer Ausweg aus der Zinszahlung vom Schuldner an den Verleiher ist die Schuldaufnahme von einem Objekt, statt von einer Person. Ein solcher non-recourse Kredit macht niemand von einer Schuld abhängig und überträgt das Ausfallrisiko minimal an den Kreditgeber.

Was genau verboten ist, ist manchmal auf Grund der Übersetzung alter Texte schwierig. In einigen Büchern gab es nur das gleiche Wort für Zins und für Wucher in der Sprache der ursprünglichen Texte. Manchmal ist nur der Geldzins erwähnt, was die offizielle Meinung zu Sachzinsen unklar macht.

Was man auf jeden Fall daraus lernen kann ist, dass sich die Schuldner oft überschätzen und dass einige Kreditgeber gierig sind. Beide Verhalten sollten gehindert werden und die Religionen haben entsprechend darauf reagiert. Egal was du glaubst, bleib vernünftig. Lebe nicht über deine Verhältnisse und verlange nicht zu viel von deinen Mitmenschen. Die soziale Ruhe ist wichtiger als ein einzelnes Projekt oder ein rein theoretischer Ertrag.